WG-Ratgeber und Magazin

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Energieausweis für die WG 

Ein Energieausweis ist ein gültiges Dokument, dass ein Gebäude energetisch bewertet. Wichtig: Mit dem Energieausweis lässt sich keinerlei Rückschluss auf die Auftretenden Energiekosten ableiten. Hierfür sind eher der Standort und das jeweilige Nutzerverhalten verantwortlich. In diesem Artikel geben wir euch Informationen zum Thema Energieausweis und klären, ob ihr einen Energieausweis in der WG braucht.
 
Für das Leben und Wohnen innerhalb einer WG gibt es vielfältige Gründe. Zu den häufigsten unter ihnen, beispielsweise für Studenten, für Azubis oder für Berufsanfänger, gehören das Gemeinschaftsgefühl sowie die finanzielle Situation. Jede WG wird von ihrer Gemeinschaft getragen. Sie ist „das Zusammenleben einiger oder mehrerer Personen in einer größeren Wohnung“. In der Regel sind sie nicht untereinander verwandt. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, während alle Gemeinschaftsräume von jedem mitbenutzt werden. Der Wohnungsvermieter entscheidet darüber, ob er die Wohnung an die WG als Personengemeinschaft vermietet, oder ob einer von ihnen den Mietvertrag unterzeichnet und alle anderen Mitbewohner mit Zustimmung des Vermieters die Wohnung als Untermieter nutzen.
 

Energieausweis WG – so notwendig wie anderswo auch

 
Zu den vielfältigen Pflichten des Vermieters gegenüber seinem Mieter gehört der Energieausweis als Nachweis über den zu erwartenden Energieverbrauch. Rechtsgrundlage dafür ist die Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden, die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV aus dem Jahr 2002. Sie basiert auf dem Energieeinsparungsgesetz, dem EnEG. Einen Energieausweis benötigt derjenige Hauseigentümer, der sein Gebäude ganz oder teilweise vermietet, verpachtet oder verkauft. Nachdem die Energieausweispflicht seit dem Jahr 2008 sukzessive eingeführt worden war, gilt sie heutzutage, etwa zehn Jahre später, uneingeschränkt. Der heutige Energieausweis ist ein bundesweit einheitliches Dokument. Entwickelt worden ist es von der Dena, der Deutschen Energie-Agentur GmbH mit Sitz in Berlin. Der Immobilienbesitzer muss, wie es genannt wird, sich um die Ausstellung des Energieausweises selbst kümmern. Die Ausstellungsberechtigung für den Energieausweis ist in § 21 EnEV näher geregelt. Zu dem Personenkreis in Bezug auf unveränderte Bestandsimmobilien gehören Handwerksmeister, staatlich anerkannte und geprüfte Gebäudetechniker, oder auch Hochschulabsolventen aus den Bereichen Gebäudearchitektur, Hochbau, Innenarchitektur oder Elektrotechnik. Für den Vermieter ist es ein Leichtes, in seinem Umfeld an Handwerkern und Gewerken den passenden Ansprechpartner zum Thema Energieausweis zu finden. Für Neubauten, für Erweiterungen oder für Änderungen von Bestandsimmobilien als Wohngebäude entscheiden die Bundesländer für ihren Bereich über die Zuständigkeit zur Ausweisausstellung.
 

Der Wohncharakter ist ausschlaggebend

 
In § 16 EnEV sind sowohl die Ausstellung als auch die Verwendung von Energieausweisen im Detail geregelt. „Wenn ein mit einem Gebäude bebautes Grundstück, ein grundstücksgleiches Recht an einem bebauten Grundstück oder ein Wohnungs- oder Teileigentum verkauft werden soll, so hat der Verkäufer dem potenziellen Käufer spätestens bei der Besichtigung einen Energieausweis oder eine Kopie hiervon mit dem Inhalt nach dem Muster der Anlage 6 oder 7 vorzulegen. Diese Bestimmung ist Eins-zu-eins auf Vermieter, Verpächter oder Leasinggeber eines Gebäudes, einer Wohnung oder einer sonstigen selbstständigen Nutzungseinheit anzuwenden“. Auf die WG bezogen trifft sowohl der Begriff Wohnung als auch selbstständige Nutzungseinheit zu. Als Wohnung werden mehrere baulich getrennte, zu einer in sich abgetrennten und abgeschlossenen Wohneinheit zusammengefasste Räume bezeichnet. Ein Beispiel für die Nutzungseinheit ist das Einzimmerapartment. In beiden Fällen müssen die Nutzflächen Küche und Sanitärbereich mit Bad, Dusche sowie WC das eigenständige Führen eines Haushaltes ermöglichen. In früheren Jahrzehnten war „Herdstelle“ der fachsprachliche Begriff für eine Wohnung. Im melderechtlichen Sinn ist sie „jeder umschlossene Raum, der zum Wohnen und zum Schlafen gleichermaßen genutzt wird“. Hier ist es unerheblich, ob sich der Wohnraum in einem Wohn- oder in einem Nichtwohngebäude befindet.
 
Bei einer WG ist die Situation eindeutig klar. Der Immobilienbesitzer vermietet eine abgeschlossene Wohnung. Zum WG-Charakter gehört es auch, dass sie mehrere Zimmer zur Einzelbelegung bietet, und dass Nutzräume wie Küche, Sanitär, Flurbereich, Diele und Gemeinschaftsraum vorhanden sind. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, dass der Vermieter zur Vorlage des Energieausweises verpflichtet ist. Diese Pflicht wird umgekehrt zum Recht der Mieter, den Energieausweis bei Abschluss des Mietvertrages, spätestens jedoch beim Wohnungsbezug ausgehändigt zu bekommen.
 

Energieausweis mit zweigeteilter Aussagekraft als Verbrauchs- und als Bedarfsausweis

 
In dem Verbrauchsausweis werden die tatsächlichen Verbrauchswerte der vergangenen Jahre zugrundegelegt. Die sind beziehungsweise waren unmittelbar vom Verhalten der damaligen Bewohner abhängig. Sie sind für die neue WG zwar ein vager Anhaltspunkt, jedoch keine wirkliche Grundlage zum Schätzen oder Berechnen des zukünftigen, eigenen Energiebedarfs.
 
Die Dena empfiehlt den Bedarfsausweis. Der offizielle, zertifizierte Energieberater ermittelt den Energiebedarf anhand einer technischen Analyse aller Gebäudedaten, und zwar unabhängig vom Nutzerverhalten. Der energetische Zustand einer Bestandsimmobilie lässt sich recht genau darstellen; ebenso wie mögliche Sanierungsmaßnahmen, mit denen der Zustand verbessert und der Wert der Immobilie gesteigert werden kann. Das Herzstück eines jeden Energieausweises ist die Farbskala mit den Effizienzklassen A+ bis H. Vergleichbar mit dem heute gebräuchlichen Energieeffizienz-Label bei Elektrogeräten hilft diese Farbskala von Grün bis Rot, die Effizienzklasse der Wohnung für den Energieverbrauch mit Heizung und Warmwasserbereitung abzuschätzen. Liegen die Werte im roten Bereich, muss mit einem hohen bis sehr hohen Heizenergieverbrauch wie Erdgas oder Öl gerechnet werden. Umgekehrt bleibt der Heizenergieverbrauch aller Voraussicht nach niedrig bis überschaubar, wenn die Werte im grünen Bereich angegeben sind.
 
Die Aussagekraft des Energieausweises lässt ausdrücklich keinen endgültigen, verbindlichen Rückschluss auf den tatsächlich auftretenden Energieverbrauch zu. Der Grund dafür ist die Berechnung auf Grundlage eines für Deutschland angenommenen Normklimas sowie auf der Normnutzung wie einer gleichmäßigen Beheizung des Gebäudes. Weiterhin beeinflussen Standort und Nutzerverhalten das tatsächliche Ergebnis. Im Bedarfsausweis werden der Primär- und der Endenergiebedarf ausgewiesen, im Verbrauchsausweis hingegen der End- beziehungsweise Energieverbrauchskennwert.
 
Darüber hinaus muss zwischen Energieverbrauch und Energiekosten unterschieden werden. Der Energieverbrauch wird in m³ gemessen und in KW//h umgerechnet. Die Energiekosten je KW/h richten sich nach dem jeweiligen Anbieter, mit dem der WG-Vermieter den Energieversorgungsvertrag abgeschlossen hat. Die Heizkosten für eine WG sind gewöhnlich Bestandteil der Nebenkosten nach der BetrKV, der Betriebskostenverordnung. Die WG-Mieter haben keinen Einfluss darauf, bei wem und zu welchen Konditionen der Vermieter, bildlich gesprochen, die Heizungsenergie einkauft. Zusammen mit der Kaltmiete wird eine monatliche Abschlagszahlung für die Betriebs- respektive Nebenkosten erhoben und zum Ende des Jahres abgerechnet. Darin enthalten sind dann auch die Energiekosten für das Heizen.
 

Unser Fazit

 
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass für die an eine WG vermietete Wohnung die Vorlage nebst Aushändigung eines Energieausweises unabdingbar notwendig ist. Für eine mehrköpfige WG empfiehlt es sich, den Energieausweis zur Kenntnis aller Mitbewohner öffentlich auszuhängen. Möglichkeiten dazu bieten Nutzräume, in denen sich die Installation für Strom, Heizung und Wasser befindet. Innerhalb der WG ist derjenige Bewohner für die Entgegennahme des Energieausweises berechtigt oder auch verpflichtet, der den Mietvertrag unterschreibt. Insofern ist die Rechtssituation für beide Seiten, also für Vermieter und für Mieter, absolut zweifelsfrei und klar.
 
Mehr Informationen zu dem Thema findet ihr hier: www.verbraucherzentrale.de/energieausweis